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Moderne Schamanin: Annabelle Wimmer Bakic

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Moderne Schamanin: Annabelle Wimmer Bakic

Annabelle Wimmer Bakic

Annabelle
Wimmer Bakic

“Die Heiligkeit der Natur ist kein spiritueller Luxus mehr, sondern ein nächster elementarer Schritt.”

Von der Kunsthistorikerin und Archäologin zur Schamanin! Eine Nahtoderfahrung macht Annabelle Wimmer Bakic bewusst, dass sie ihr Leben anders aufstellen muss. In ihrer Biografie “Der Gesang des Eises” erzählt die Autorin jetzt von ihrer spannenden Sinnsuche, die sie zu den Grönland-Schamanen führte. Im Interview verrät Annabelle Wimmer Bakic, wie sie ihre Bestimmung gefunden hat, was hinter dem Begriff “Schamanismus” steht und welchen Einfluss die uralte schamanistische Weisheit auf unsere moderne Welt haben kann…

Wie kommt eine Kunstgeschichtlerin und Archäologin dazu, Schamanin zu werden?

Bei der Geburt meines zweiten Kindes hatte ich eine Nahtoderfahrung, die mir bewusst machte, dass ich mein Leben anders aufstellen muss. Ich spürte, dass etwas Wichtiges fehlte, ohne zu wissen, was. Mein Kind und ich hatten eine schwere Geburt überlebt, mein liebevoller Mann Stefan unterstützte mich, wo er konnte, ich hatte einen erfüllenden Beruf, eine intakte Familie, vielseitige Interessen. Dennoch. Mein Leben fühlte sich unvollständig an. Beim Stöbern in einer Buchhandlung stieß ich auf eine Sammlung Interviews mit Schamanen weltweit. Ich hatte mit Schamanismus bisher nichts zu tun, aber „Altes Wissen für eine neue Zeit“ – das klang vielversprechend. Besonders spannend fand ich das Interview mit einem grönländischen Schamanen.

Was hat Sie gerade an ihm fasziniert?

Nun, zunächst einmal sah er interessant und vertrauensvoll aus. Und ich spürte eine menschliche Kraft, die man bei uns nur noch ganz selten findet. Dann mochte ich es, wie er von den Inuit und ihren bedeutsamen Plätzen sprach. Ich konnte mir die Fjorde, die Täler, das Eis und den Schnee bildlich vorstellen. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch. Ankaaras Worte und seine Schilderungen der uralten Rituale berührten mich zutiefst. Aus der Natur Kraft schöpfen – das war mir bei aller grönländischen Exotik vertraut. Mein Mann Stefan fand heraus, dass Ankaara in München einen Vortrag halten würde und ermunterte mich, daran teilzunehmen. Und dann nahm alles seinen Lauf.

Was passierte denn in diesem Seminar?

Naja, zunächst wurden alle Teilnehmenden umarmt, was mich schon sehr irritierte. Aber dann erzählte er von seiner Heimat – von der Reise mit den Schlitten und uralten Bräuchen – und in mir stiegen Bilder einer Welt auf, die ich nicht kannte, die mir aber wie vertraut waren. Ich spürte, wie mir Tränen über das Gesicht liefen. In der Pause sprach mich Ankaara an und lud mich unvermittelt zu einer besonderen Reise durch Grönlands Wildnis ein, um zusammen die Kraftorte seiner grönländischen Vorfahren zu besuchen. Ich war von dem Vorschlag dieses Fremden völlig überrumpelt. Aber er sah wohl mehr in mir, als ich von mir wusste. Am Ende habe ich mich, unterstützt durch meinen Mann, auf das spirituelle Abenteuer im Schnee eingelassen und wurde dort zur Schamanin initiiert. Eine Reise, die mein Leben verändert hat.

Und dort haben Sie das Eis singen gehört?

Ja, das habe ich! Und ich bin einer alten arktischen Prophezeiung begegnet, „dem Gesang des Eises“. Sie besagt: wenn das Eis schmilzt, ist die Zeit des großen Wandels gekommen, für eine neue Zukunft dieser Erde. Und diese Zeit ist jetzt! Für mich bedeutet das: Nur mit dem Wissen, wer wir wirklich sind und nur im gegenseitigen Respekt gegenüber allen Menschen und lebendigen Wesen einschließlich der Erde selbst, werden wir die vor uns liegenden persönlichen aber auch gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen meistern können. Heute, wie nie, brauchen wir den Wandel. Wir müssen vom Herrn der Erde zum Heiler und Hüter werden. Auch um ein ökologisches Desaster zu verhindern. Die Heiligkeit der Natur ist kein spiritueller Luxus mehr, sondern ein nächster elementarer Schritt. Das lehrt uns auch der Schamanismus.

Was ist das eigentlich, Schamanismus?

»Schamanisch‹ ist die Sprache des Bewusstseins aller Lebewesen. Es ist Kommunikation jenseits aller Grenzen und Begrenzungen, eine Brücke, die zwei Wesen, aber auch Welten miteinander verbindet und uns eins werden lässt mit uns selbst. Diese Sprache zu sprechen bringt Kraft und Heilung, Wissen und Entwicklung und lässt uns in unseren Herzen ankommen.«

Ist Schamanismus eine Religion oder Esoterik?

Weder noch. Schamanismus ist kein nebulöser esoterischer Hokuspokus, sondern eine seit Jahrtausenden anerkannte und bewährte Heiltradition für Körper, Geist und Seele. Auf Basis der aktuellen Forschung in der Neurologie habe ich die schamanische Heiltherapie entwickelt und arbeite damit in einer medical spa Gesundheitsklinik am Tegernsee, die mehrfach den Preis für das weltweit beste und innovativste Klinikkonzept gewonnen hat.

Schamanismus ist also keine religiöse Heilslehre, sondern eine Kompetenz, die auf einem uralten Fundament basiert. Es geht auch darum, ganz individuell die Ressourcen des eigenen Bewusstseins nutzen zu lernen, den äußeren Widrigkeiten eines stressigen Alltags mit eigenen Kräften zu begegnen und das persönliche Potenzial, das wir Menschen haben, aufzuschliessen: also zu einer entspannten Meisterschaft im Leben zu gelangen. Ganzheitlich und harmonisch.

Wie wird die schamanische Heiltherapie eingesetzt?

Schamanische Heiltherapie ist eine Mischung aus medical soul wellness, Bewusstseinsschulung und bioenergetischer Arbeit. Ein radikal ganzheitliches Konzept, das jeden Menschen mit seinem Bedarf persönlich abholt. Sie dient dem Lösen mentaler, seelischer, energetischer und körperlicher Blockaden, aktiviert die Selbstheilungskräfte und kann zu einer Stärkung des Immunsystems und der Harmonisierung der Herz-Kreislauffunktionen führen. Indem zu hohe Muskelspannung, Stresssymptome und Blockaden deutlich herabgesetzt oder gar aufgelöst werden, ist diese Alternativmedizin eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Medizin.

Neben Ihrer therapeutischen Tätigkeit haben Sie auch ein Institut für Bewusstseinsforschung und geistigen Klimawandel, das ICCC, gegründet.

Das ICCC (institute for consciousness climate change) ist eine Art künstlerisches Forschungslabor, das geisteswissenschaftliche und künstlerische Forschung miteinander verbindet. Das ICCC hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Prozesse und Wechselwirkungen zwischen dem Immateriellem und dem Realen, zwischen Geist und Materie zu untersuchen. Anders gesagt: Wir suchen nach einer neuen Grammatik für den Umgang mit Natur und Leben und setzen uns für ein wertorientiertes und respektvolles Zusammenleben aller ein. Wir haben mit unserer Lebensweise den Planeten so weit heruntergewirtschaftet, dass nun unsere Lebensgrundlage bedroht ist. Wir müssen umdenken. Anders denken. Die Frage des Bewusstseins ist kein esoterisches Hobby mehr, sondern wird zur ökologischen, politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Notwendigkeit, um den Herausforderungen einer immer komplexer werdenden Welt begegnen zu können. Dabei kann uns die Kunst helfen. Ich verstehe sie als Kommunikationsmittel, als eine universelle Sprache, die alle sprechen. Die Ausdrucksformen der Kunst richten sich direkt an das Bewusstsein und können eine Art inneren Dialog anregen. Damit kommt der Kunst die Aufgabe des Impulsgebers für Inspiration, Umdenken und neues Bewusstsein zu: sie wird zu einem wichtigen Impulsgeber für den geistigen Klimawandel.

Zum Nachlesen:
Von Bayern, nach Grönland und als Schamanin zurück

"Der Gesang des Eises" von Annabelle Wimmer Bakic

HIER ERFAHRT IHR MEHR ZU ANNABELLE WIMMER BAKIC:


Fotos: © Nina von Wiese, © Scott M. Graves/pexels.com

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